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Es gibt Liebeslieder, Schmachtfetzen, Schnulzen und Wanderlieder,
Schlachtengesänge und Spottlieder, traurige Weisen und fröhliche Trinklieder. Meist
schallt in Haus und Auto aber doch nur das Radio und der Mensch davor bleibt
stumm. Helmut Bussjäger findet das traurig. Er will das ändern und bietet darum im
Rahmen der Thannhauser Volkshochschule einen Kurs an. „Heilsames Singen“ ist
das Motto für alle, die sich sonst nicht trauen, die ihre Stimme nicht schön genug
finden, oder denen durch irgendeinen Anlass die Lust am Singen verloren ging.
„Jeder, der eine Stimme hat, kann auch singen“, sagt Helmut Bussjäger. Nachdem
er selbst 30 Jahre lang als Klarinettist und Dirigent im Haselbacher Musikverein
gewirkt hatte, kam er 2008 zur Klangmassagetherapie. 2012 begann er eine
Ausbildung zum Singleiter für „Heilsames Singen“. Als Schüler von Wolfgang
Bossinger, einem Musiktherapeuten an der Klinik Christophsbad in Göppingen, ist er
auch Mitglied in dessen Netzwerk „Singende Krankenhäuser“, einer internationalen
Vereinigung zur Förderung des Singens in Gesundheitseinrichtungen. Und nun auch
im Kulturhaus „Beim Schwung“ in der Thannhauser Frühmessstraße. 14 Frauen und
THANNHAUSEN
Singen für die Seele in Thannhausen
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drei Männer haben sich im ehemaligen Stadel des Anwesens versammelt, um unter
Helmut Bussjägers Anleitung die heilsame Kraft des Singens am eigenen Leib zu
erfahren. Singen vertieft die Atmung und verhilft damit zu einer besseren
Sauerstoffversorgung von Gehirn, Organen und Körperzellen. Es erhöht die
Herz-Kreislauf-Fitness, macht glücklich, und stärkt das Immunsystem. So steht es
auf der Homepage der Christophsbad-Klinik und genau das will Helmut Bussjäger
auch an seine Sänger in spe weitergeben.
„Es gibt keine Fehler – nur Variationen“, ermutigt Bussjäger die Anwesenden,
vergriffelt sich gleich zu Beginn an der Gitarre und variiert seinen Gesangseinsatz.
Das sorgt für Heiterkeit, entspannt und macht gleichzeitig Mut, die fremdartigen
Texte, die der Singleiter vorgibt, auch selbst nachzusingen. Neuseeländische
Maoriworte samt deutscher Übersetzung stimmt Helmut Bussjäger an und ganz
zaghaft zuerst tastet sich die Gruppe an die unbekannten Laute. Mit jeder der
zahlreichen Wiederholungen wird der Gesang sicherer und kräftiger.
Fast ein wenig widerspenstig macht sich die Freude breit, Text und Melodie von
geradezu banaler Schlichtheit, so sicher und klangvoll nachsingen zu können.
Schon wiegen sich die ersten Teilnehmer zu den eingängigen Klängen. Aber warum
fremdsprachige Texte zu so schlichten Melodien? Würden nicht auch einfache
Volksweisen den gleichen Zweck erfüllen? Helmut Bussjäger erklärt es im
Gespräch: „Bei bekannten Liedern, die zuweilen auch in meinem Repertoire
vorkommen, ist man eher versucht zu vergleichen, wo man das Lied schon mal
schöner, mehrstimmiger oder wohlklingender gehört hat. Solche Vergleiche will ich
vermeiden.“ So singt die Gruppe indische Mantras, neuseeländische
Eingeborenenworte und so eingängige Botschaften wie „Singen ist Medizin“ oder
„Ich bin da, du bist da, wir kommen hier zusammen“.
Die Sänger stehen im Kreis um Helmut Bussjäger mit seiner Klampfe und nach und
nach geschieht etwas. Rote Backen und leuchtende Augen, die vorher noch nicht da
waren. Die Frau, die anfangs zusammengesunken und mit vor der Brust
verschränkten Armen dasaß, steht jetzt aufrecht und hat lässig die Daumen in den
Hosentaschen eingehängt, der Mann mit dem grauen Pferdeschwanz wippt
rhythmisch mit, ein älterer Herr scheint ganz versunken und hält die Augen
geschlossen.
Da bräuchte Helmut Bussjäger gar nicht immer wieder die wissenschaftlich
erwiesenen, positiven Auswirkungen des Singens hervorheben. Es tut sich was um
den Mann mit der Gitarre herum. Als gegen Ende einer aus der Gruppe bezweifelt,
sich Text und Melodie merken zu können, stimmt Helmut Bussjäger die ersten
Akkorde des allerersten Liedes dieses Abends an. Sofort fällt ein vielstimmiger Chor
text- und melodiesicher ein. Noch auf dem Weg zum Auto summt das Lied lustig im
Ohr und beschwingt die Schritte. Vielleicht sollte man wirklich wieder öfter mal
singen. Rossini oder AC/DC – auch außerhalb der Badewanne.

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Nachrichten Krumbach - Augsburger Allgem
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